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15. Dezember 2017

Personalisierte Medizin: Chancen und Herausforderungen


Wir leben in einer aufregenden Zeit. Die analytischen Möglichkeiten von Big Data und Artificial Intelligence sind die Megatrends der Zukunft.

Norbert Bischofberger

In der Zukunft werden wir nicht sporadisch und reaktiv Erkrankungen behandeln, sondern unseren Gesundheitszustand kontinuierlich und proaktiv monitoren – auf der Basis von Artificial Intelligence, mit moderndsten Devices.

Norbert Bischofberger

Wenn Sie einen Medizinstudenten dazu ausbilden wollen, 2.032 Erkrankungen zu diagnostizieren, dauert dies lange. Ein Computer kann das in kurzer Zeit erlernen.

Norbert Bischofberger

Es ist unglaublich beeindruckend, was wir an Wissen gewinnen. Doch die Frage ist, wie wir das umsetzen. Es braucht eine neue Infrastruktur – breit aufgestellt, in allen Ländern, nicht nur in wenigen Zentren, über den Globus verteilt.

Christian Noe

Wir erleben den Zerfall von Krankheiten wie Brustkrebs in viele Entitäten. Das gleiche gilt für Lungenkrebs. Das heißt, wir können nicht mehr wie bisher nach „one fits all“ behandeln.

Christoph Zielinski

Wir brauchen auch in Österreich Mediziner mit einer soliden naturwissenschaftlichen Ausbildung, denn nur diese können verstehen, worum es bei der personalisierten Medizin überhaupt geht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sowohl in der studentischen, als auch der ärztlichen Ausbildung dieser wissenschaftsbasierte Aspekt nicht genug betont wird. Das führt bei Arzt und Patient zu Unsicherheit und Skepsis gegenüber einer so komplexen Materie, wie es die personalisierte Medizin nun einmal ist. Im ungünstigsten Falle bedeutet das, dass Patienten einer potentiell kurativen Therapiemöglichkeit beraubt werden.

Georg Stingl

Die Health Kompetenz der Patienten ist viel zu wenig entwickelt. Sie googeln, können die Information aber nicht einordnen. Da haben wir Handlungsbedarf.

Christian Noe

In der Rheumatologie und bei den chronisch entzündlichen Erkrankungen im Allgemeinen bin ich derzeit weniger optimistisch. Wir haben zwar mittlerweile für sie alle sehr effektive Therapien, aber wir haben noch nicht herausfinden können, welche Person von welchem Entstehungsweg regiert wird. Wir können auch etwaige Subformen der Erkrankungen noch nicht erkennen

Josef Smolen

Wien (OTS) Schon heute profitieren Patient/innen von individuellen, zielgerichteten Therapieansätzen in der Medizin. Dabei stehen wir erst am Anfang einer weitreichenden Entwicklung: In Zukunft werden Fortschritte in Bereichen wie der Gentherapie und Immuntherapie, kombiniert mit technologischen Innovationen in Prognose, Diagnostik und Datenanalyse, derzeit noch ungeahnte Möglichkeiten der Behandlung eröffnen. Doch wo sind am ehesten Erfolge durch personalisierte Arzneimittel zu erwarten? Und wo liegen die Grenzen in der Anwendung? Diesen Fragen gingen hochkarätige Experten im Rahmen der Veranstaltung „Personalisierte Medizin: Chancen und Herausforderungen“ am 6. Dezember 2017 nach.

Auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit Gilead Sciences GesmbH diskutierten Norbert W. Bischofberger, Christian R. Noe, Josef Smolen, Georg Stingl und Christoph Zielinski (detaillierte Rednerliste siehe unten). Als Einführung ins Thema beleuchtete Norbert W. Bischofberger wesentliche Aspekte in seinem Vortrag „The future of medicine: Technology and personalized therapy” – eine Zusammenfassung davon finden Sie im nächsten Absatz. Zitate aus der anschließenden Podiumsdiskussion siehe unten.

„The future of medicine: Technology and personalized therapy” 

Unter dem Titel „The future of medicine: Technology and personalized therapy” spannte Norbert Bischofberger, Chief Scientific Officer bei GILEAD Sciences, einen Bogen vom Humangenomprojekt der neunziger Jahre zur personalisierten Medizin in der Onkologie von heute. 

Im Jahr 1990 wurde das „Human Genome Project“ gegründet, das darauf abzielte, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Das Genom des Menschen enthält die Gesamtheit der vererbbaren Informationen, und eine vollständige Sequenzierung des Genoms bildet die Grundlage für die Erforschung vieler biologischer Prozesse. 2003 fand das Projekt seinen Abschluss. 

Heute gilt die personalisierte Medizin als ein Behandlungskonzept, das Patienten schneller zu einer für sie geeigneten Therapie verhelfen kann. Sie beruht in hohem Maße auf den Möglichkeiten der modernen Diagnostik, die durch das Humangenomprojekt eröffnet wurden.

Begriffe wie maßgeschneidert und zielgerichtet sind dabei in aller Munde – insbesondere in Zusammenhang mit moderner Krebstherapie. Ein möglicher Ansatz ist CAR-T, wie Norbert Bischofberger erläuterte. Er bot Einblicke in die Welt der chimären Antigenrezeptor-T-Zell-Therapien. In der CAR-T-Zell-Therapie werden T-Zellen aus dem Blut des Patienten im Labor gentechnisch so verändert, dass sie patientenspezifische Tumorantigene erkennen und so die Krebszellen effektiv zerstören können.

Zitate aus der Podiumsdiskussion 

Wir leben in einer aufregenden Zeit. Die analytischen Möglichkeiten von Big Data und Artificial Intelligence sind die Megatrends der Zukunft.
Norbert Bischofberger  

In der Zukunft werden wir nicht sporadisch und reaktiv Erkrankungen behandeln, sondern unseren Gesundheitszustand kontinuierlich und proaktiv monitoren – auf der Basis von Artificial Intelligence, mit moderndsten Devices.
Norbert Bischofberger  

Wenn Sie einen Medizinstudenten dazu ausbilden wollen, 2.032 Erkrankungen zu diagnostizieren, dauert dies lange. Ein Computer kann das in kurzer Zeit erlernen.
Norbert Bischofberger  

Es ist unglaublich beeindruckend, was wir an Wissen gewinnen. Doch die Frage ist, wie wir das umsetzen. Es braucht eine neue Infrastruktur – breit aufgestellt, in allen Ländern, nicht nur in wenigen Zentren, über den Globus verteilt.
Christian Noe 

Wir erleben den Zerfall von Krankheiten wie Brustkrebs in viele Entitäten. Das gleiche gilt für Lungenkrebs. Das heißt, wir können nicht mehr wie bisher nach „one fits all“ behandeln.

Christoph Zielinski 

Wir brauchen auch in Österreich Mediziner mit einer soliden naturwissenschaftlichen Ausbildung, denn nur diese können verstehen, worum es bei der personalisierten Medizin überhaupt geht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sowohl in der studentischen, als auch der ärztlichen Ausbildung dieser wissenschaftsbasierte Aspekt nicht genug betont wird. Das führt bei Arzt und Patient zu Unsicherheit und Skepsis gegenüber einer so komplexen Materie, wie es die personalisierte Medizin nun einmal ist. Im ungünstigsten Falle bedeutet das, dass Patienten einer potentiell kurativen Therapiemöglichkeit beraubt werden.
Georg Stingl 

Die Health Kompetenz der Patienten ist viel zu wenig entwickelt. Sie googeln, können die Information aber nicht einordnen. Da haben wir Handlungsbedarf.
Christian Noe 

In der Rheumatologie und bei den chronisch entzündlichen Erkrankungen im Allgemeinen bin ich derzeit weniger optimistisch. Wir haben zwar mittlerweile für sie alle sehr effektive Therapien, aber wir haben noch nicht herausfinden können, welche Person von welchem Entstehungsweg regiert wird. Wir können auch etwaige Subformen der Erkrankungen noch nicht erkennen.“
Josef Smolen

Weitere Bilder finden Sie in der APA-Fotogalerie.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Akademie der Wissenschaften
Sven Hartwig
T: +43 1 51581-1331
sven.hartwig@oeaw.ac.at

Gilead Sciences
DI Alexander Preuss
+43 (1) 26083 – 29
alexander.preuss@gilead.com

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