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14. Dezember 2017

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Ein Schritt zurück“, von Irene Rapp


Innsbruck (OTS) Bis zur Gleichberechtigung der Geschlechter ist es noch ein langer Weg: So sieht eine Bilanz zum Internationalen Frauentag aus. Eine andere: In vielen westlichen Ländern wird versucht, Frauenrechte zu beschneiden.

Als Frau mit einem Bild von gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Gleichberechtigung der Geschlechter im Kopf glaubt man in diesen Tagen zu träumen. Da hat erst kürzlich ein Abgeordneter im EU-Parlament kundgetan, warum Frauen weniger verdienen als Männer:
weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent seien. Wenige Monate zuvor wurde in den USA ein Mann zum Präsidenten gewählt, der Frauen einfach so zwischen die Beine greift. Und da wäre noch Russland, wo Strafen für familiäre Gewalt herabgesetzt wurden, sowie Polen, wo geplant ist, ein bereits strenges Abtreibungsgesetz weiter zu verschärfen.
Am heutigen Frauentag hätte es allerdings auch ohne diese beängstigenden Gegebenheiten nicht viel zum Lachen gegeben. Denn ja – es ist zwar einiges in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter erreicht worden. Aber Missstände gibt es noch genug: Frauen verdienen nach wie vor weniger, finden oft nur Teilzeitjobs, leisten den Großteil unbezahlter Arbeit in Österreich und, und, und.
Der Wille der Politik, das zu ändern, ist zögerlich. Laut dem kürzlich veröffentlichten „Global Gender Gap Report“, den das Weltwirtschaftsforum alljährlich herausgibt, rutschte Österreich im internationalen Vergleich rund um die Frauengleichstellung auf Platz 52 ab (Platz 37 im Jahr zuvor). Pikantes Detail: In Sachen Lohngerechtigkeit rangiert unser Land auf Platz 100 von 144 untersuchten Ländern.
Dazu kommt eine Gesellschaft, die in tradierten Rollenbildern erstarrt zu sein scheint – und das liegt nicht nur an den Männern. Mit dem Begriff Feminismus können auch Frauen oft nichts anfangen:
die einen, weil sie müde sind, ständig Ungerechtes aufzuzeigen. Die anderen, weil sie mit Rechten aufgewachsen sind, die ihre Mütter noch nicht hatten, und ihnen derartige Parolen fremd sind. Und wieder andere denken bei Feministin sofort an Kampf-Emanze oder haben sich mit ihrer Rolle abgefunden.
Auf Platz 1 des „Global Gender Gap Reports“ liegt übrigens Island:
1975 legten dort 90 Prozent der Frauen einen Tag lang Erwerbs- und Hausarbeit nieder. Eine Protestaktion für mehr Rechte, die das Land kurzzeitig lähmte, aber den Isländerinnen half. Möglicherweise ein Anstoß, das nächste Mal doch laut zu werden, wenn von Gleichberechtigung nicht die Rede sein kann. Auf dass wir im Report des Weltwirtschaftsforums nicht noch weiter abrutschen. Und auf dass der weltweite Versuch, Frauenrechte zu kappen, aufgehalten wird.

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