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19. November 2017

Ist das Energieeffizienzgesetz auf Zielkurs?


Nach Ende der 2. Verpflichtungsperiode ist das Gesetz erneut am Prüfstand

Wien (OTS) Zwei Ziele verfolgt das Energieeffizienzgesetz: Die Energieversorger sollen bis 2020 insgesamt 310 PJ Energie bei (ihren) Kunden einsparen. Und: Österreich soll 2020 nur mehr 1.050 PJ Endenergie verbrauchen. Im Zeichen des Pariser Klimaschutzabkommens richtige und auch erreichbare Ziele. 

Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass Österreich wirklich Handlungsbedarf hat: Zwischen 1990 und 2014 stieg der Endenergieverbrauch um 38,9 % – nur mehr Zypern, Irland und Malta weisen höhere Zuwächse auf (siehe Tabelle, Quelle: EUSTAT, eigene Berechnung). 

2014 wurde das Gesetz als Instrument für den Weg zu einer energieeffizienten Wirtschaft geschaffen mit der Absicht, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu steigern,  hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen und den Einsatz innovativer Technologien voranzutreiben. Hier liegen Chancen für die österreichische Wirtschaft – als Energieverbraucher und als Anbieter. Aber werden diese Chancen genutzt?

 Überbewertete Effizienzmaßnahmen – „Alternative Savings“

Sogenannte „Durchflussbegrenzer“ stehen weiterhin in der Kritik: massenweise versendet oder verteilt wurden sie zu großen Teilen in den Haushalten gar nicht eingebaut – Befragungen im Frühjahr und Herbst 2016 bei je 100 Haushalten ergaben Einbauquoten von 22 bzw. 12 % – trotzdem wird die potenzielle Einsparung zu 100 % angerechnet! Weder rückwirkend noch im derzeit geltenden Methodendokument wurden Korrekturen am Abschlagsfaktor vorgenommen.

Energieeinsparungen durch neu eingebaute Heizsysteme werden errechnet, indem deren Verbrauch mit errechneten Energiebedarfswerten von Referenzanlagen verglichen wird. Eine Überprüfung der Bedarfswerte anhand der Datenbank q:M Heizwerke hat ergeben, dass diese Bedarfswerte viel zu hoch angesetzt sind: Die tatsächlich erzielte Einsparung ist deshalb viel geringer als die errechnete – nämlich um 49 bis 72 %.

Der Effekt dieser Überbewertungen: der Preis für Energieeffizienzmaßnahmen ist dramatisch abgestürzt – größere „Pakete“ an kWh werden unter 1 €cent gehandelt. Um Energieeffizienzpotentiale zu realisieren, sind aber Preise von etwa 4,5 €cent pro kWh erforderlich.

Ist das Energieeffizienzgesetz auf Zielkurs?

Ja und nein. Ja, hinsichtlich des Einsparziels: 310 PJ sind möglich, diese Prognose kann bereits jetzt relativ zuverlässig gestellt werden.

Im Hinblick auf das Endenergieverbrauchsziel sind  begründete Zweifel zulässig. Die DECA hat anhand der Daten der Statistik Austria eine erste Annäherung gerechnet und eine grobe Temperaturbereinigung des Endenergieverbrauchs Österreichs mit dem Zielpfad des Energieeffizienzgesetzes (Wert 2013 bis Zielwert 2020) verglichen. Das Ergebnis: Zielpfad und bereinigter Endenergieverbrauch laufen seit 2013 deutlich auseinander (siehe Grafik). Das ist zumindest ein starkes Indiz dafür, dass die bisher gemeldeten Einsparungen nicht wirksam werden.

Das Gesetz wieder auf den Boden bringen

Um die Wirksamkeit des EEffG wieder herzustellen, sind aus Sicht der DECA mehrere Maßnahmen nötig:

  • Transparentes Monitoring des Endenergieverbrauchsziels: Die Bewertung der bisher gemeldeten Einsparungen im Hinblick auf den Beitrag zum Energieverbrauchsziel fehlt bislang. Notwendig ist eine jährliche Kontrolle in Bezug auf einen Referenzwert (im Hinblick auf BIP- und Bevölkerungsentwicklung sowie Außentemperaturen) und ein professioneller Vergleich der Bottom Up- und Top Down-Einsparberechnung (zB anhand der ÖNORM EN 16212).
  • Jährliche Evaluierung des Methodenhandbuchs, um bestehende Bewertungsverfahren im Bedarfsfall anzupassen.
  • Die Anpassung von offensichtlich falschen Berechnungsfaktoren auf Basis empirischer Überprüfungen muss kurzfristig (3 Monate) per Verordnung möglich sein.
  • Langfristig Anhebung des Einsparziels als Ausgleich zu überhöhten Buchungen: Damit soll sichergestellt werden, dass die im Gesetz festgeschriebenen Einsparziele real erreicht werden. Auch mit einer zeitnahen Korrektur bestehender überbewerteter Maßnahmen ist es nicht möglich, diese rückwirkend richtig zu stellen und Überbewertungen von Effizienzgewinnen in der Vergangenheit zu korrigieren.

Potenziale und Chancen nutzen!

Die Potentiale des Gesetzes werden von den wichtigsten Akteuren der österreichischen Realpolitik nicht entsprechend wahrgenommen, die Kosten und der administrative Aufwand für die Erfüllung des Gesetzes übermäßig stark betont. Die DECA appelliert daher an die Akteure der österreichischen Energieeffizienzpolitik, ihren Widerstand gegen eine wirksame Reform des Energieeffizienzgesetzes aufzugeben und die Realisierung dieser Chancen und Potentiale nach Kräften zu unterstützen.

DECA bietet Mitgestaltung an

Soll das gesetzliche Ziel eines Endenergieverbrauches von 1.050 PJ in 2020 erreicht werden, müssen gemeldete Maßnahmen und tatsächliche Einsparungen einigermaßen deckungsgleich sein. Die Werterhaltung der Maßnahmen und reale Effizienzsteigerungen sind daher ein vorrangiges Ziel. Mit ihren rund 40 Mitgliedern, die die gesamte Wertschöpfungskette von Energiedienstleistungen abdecken, verfügt die DECA über profunde theoretische sowie Praxis- und Markterfahrung aus beinahe allen Teilbereichen des Themas Energieeffizienz. Die DECA-Mitglieder stehen hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung und Bewertung von  Maßnahmen im Methodendokument wie auch für die Gestaltung des Energieeffizienzgesetzes nach 2020 gerne für einen offenen Austausch zur Verfügung.

Das gesamte DECA-Positionspapier zum Download

Rückfragen & Kontakt:

Ing. Robert Pichler, Obmann, 0664/829 43 47
DI Werner Kerschbaumer, MBA, Obm.-Stv., 0664/80117 27383

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