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20. November 2017

Volkshilfe zum Internationalen Tag der sozialen Gerechtigkeit


Wien (OTS) Der Begriff der sozialen Gerechtigkeit ist momentan in aller Munde, stellt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich anlässlich des Internationalen Tages der sozialen Gerechtigkeit fest. Zurecht, meint der Direktor: „Wenn Arbeitslosenzahlen steigen, Sozialleistungen reduziert werden, die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, die soziale Stufenleiter immer glitschiger wird, immer mehr Menschen trotz Erwerbsarbeit nicht genug zum Leben haben, spezifische Gesellschaftsgruppen strukturell benachteiligt werden – dann sind sich die meisten Menschen einig: Das ist nicht sozial gerecht“.

Obwohl Österreich im EU-Vergleich in Sachen soziale Gerechtigkeit relativ gut da stehe, zeigt beispielsweise die jüngste EU-Sozialindex Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass der soziale Hintergrund eines Kindes immer noch ausschlaggebend für seinen späteren Bildungs- und Einkommenserfolg ist. Zudem sei das Haushaltseinkommen zum dritten Mal gesunken und das Risiko, von Armut und sozialer Exklusion bedroht zu sein, hoch. „Bildung, Vermögen und nützliche Netzwerke bieten zwar nach wie vor einen gewissen Schutz, immer mehr Menschen müssen sich allerdings im Laufe ihres Lebens auf Armutspassagen einstellen“, so Fenninger. Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Entwicklungen seien die zahlreichen Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit wenig überraschend.

Was ist ‚sozial gerecht‘?

Während einer der prominentesten GerechtigkeitsphilosophInnen, John Rawls meint, soziale Gerechtigkeit könne nur dann erreicht werden, wenn sie hinter einem „Schleier der Unwissenheit“ ausverhandelt würde, verbindet viele andere politisch-philosophische Definitionsansätze die Annahme, dass die Ungleichheit das grundliegende Problem einer fehlenden sozialen Gerechtigkeit darstellt. Fenninger: „Die politischen Bedingungen produzieren die wachsende Ungleichheit auf der die soziale Ungerechtigkeit basiert. Der Mensch ist kein Mangelwesen oder zu wenig wert, nicht ungenügend oder defizitär, um ihm eine gute Bildung, einen Arbeitsplatz oder faire Entlohnung vorzuenthalten. Es sind die ökonomischen und politischen Bedingungen, die mangelhaft sind, da sie sich ausschließlich am Erfolg Weniger orientieren“.

Unabhängig davon, in welche Familie ein Kind geboren wird, müsse ihm der gleiche Zugang zu Bildung und in weiterer Folge die gleichen Aufstiegschancen zur Verfügung stehen, so Fenninger. Zudem sei der Schutz vor Risiken für alle, der beispielsweise durch Sozialleistungen und Sozialversicherung gegeben wäre, Teil eines sozial gerechten Systems. „Momentan werden in Österreich jedoch gewisse Gruppen von diesen Sicherheitsnetzen ausgeschlossen, obwohl sie fixer Bestandteil eines Sozialstaates sind. Wir beobachten einen seit mittlerweile über Jahre gehenden sukzessiven Sozialabbau, vor allem dort, wo Menschen keine Lobby haben. Bestes Beispiel dafür sind die Einschränkungen der bedarfsorientierten Mindestsicherung im letzten Jahr“. Zudem sei die gleichwertige Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt eine Voraussetzung für ein sozial gerechtes Land.

Abschließend stellt der Direktor fest: „Schwindende soziale Gerechtigkeit führt zu einer gefährlichen Einschränkung sozialer Freiheit, bedroht gesellschaftliche Teilhabe und zerstört den sozialen Zusammenhalt. Diese Entwicklung gilt es unter allen Umständen zu verhindern“.

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